Installationen oberhalb von Unterdecken mit Feuerwiderstandsdauer F30, F60 oder F90
Grundlage bilden die DIN 4102-12, sowie die Musterleitungsanlagen-Richtlinie (MLAR). Maßgeblich sind dabei die allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnisse (abP), die die Verwendbarkeit geprüfter Systeme im Bauwesen nachweisen. In der Praxis führen bauliche Gegebenheiten jedoch häufig zu Abweichungen von diesen Vorgaben. Da weder die DIN 4102-12 noch die MLAR, die Musterbauordnung (MBO) oder die Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) hierzu konkrete Vorgaben machen, müssen Planer und Installateure häufig auf individuelle konstruktive Lösungen zurückgreifen müssen.
Technische Ausgangsituation
Oberhalb einer F90-Unterdecke soll eine allgemeine Stromversorgung installiert werden. Aufgrund des großen Kabelvolumens ist der Einsatz einer 400 mm breiten Kabelrinne erforderlich. Die Installation kann ausschließlich an einer Rippendecke befestigt werden. Die Kabeltrasse verläuft kreuzend zu den Rippen, das Kabelgewicht beträgt 38 kg/m. Die Rippendecke besitzt ebenfalls die Feuerwiderstandsklasse F90. Für die Befestigung stehen Bohrzonen mit maximal 50 mm Bohrtiefe und max. 10 mm Bohrdurchmesser zur Verfügung. Der Abstand zwischen den Rippen beträgt 70 cm, und zwischen der Rippenunterkante und der F90-Brandschutzdecke verbleibt ein Abstand von 180 mm.

Empfohlene Lösung: Kabelverlegesystem mit speziellen Dübel und Gelenkverbindung
Aufgrund der geringen Bohrtiefe empfiehlt sich der Einsatz eines bauaufsichtlich zugelassenen Dübels mit brandschutztechnischer Bewertung für geringe Setztiefen. Diese Dübel bietet bei einer 90-minütigen Brandbeanspruchung eine ausreichende Zug- und Quertragfähigkeit und ist für den Einsatz von Verlegesystemen gemäß MLAR F30 bis F90 zugelassen.
Das empfohlene Kabelverlegesystem besteht aus folgenden Komponenten:
- Gelenkkopfplatte zur Lastaufnahme,
- U-Profil als Tragelement,
- Ausleger mit Gewindestab-Anschluss,
- Gelenkdeckenbügel zur Befestigung an der Rippendecke,
- Gewindestab und Kabelrinne zur Kabelaufnahme.
Diese Kombination ermöglicht eine sichere und flexible Befestigung an der Rippendecke, ohne die Tragstruktur oder die Unterdecke zu beeinträchtigen.
Bauliche Bedingungen und Abstände
Bei einem Verlegesystem gemäß folgender Bedingungen
- Hängestiellänge: ≤ 1,0 m
- Befestigungsabstand: ≤ 0,75 m
- Maximale Belastung: ≤ 40 kg/m
- Abstand zwischen Kabelrinnen und Brandschutzdecke: ≥ 90 mm
- Abstand zwischen Hängestielen bzw. Gewindestäben und Brandschutzdecke: ≥ 20 mm
kann eine negative Beeinträchtigung der Brandschutzdecke während einer Brandbeanspruchung von bis zu 90 Minuten ausgeschlossen werden.
Bauliche Hintergründe und praktische Empfehlungen
Installationen oberhalb von Unterdecken mit definierter Feuerwiderstandsdauer gehören zu den anspruchsvollsten Bereichen im baulichen Brandschutz. Besonders bei Rippendecken, wo die ausgewiesenen Bohrzonen und Bohrtiefen, die Auswahl geeigneter Verlegesysteme erschwert.


